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BEISPIELE WBSO-Beispiele Fallbeispiele

WBSO · ERKENNBARKEIT JE PROJEKTtyp

WBSO-Beispiele: Welche Projekte kommen infrage?

Beispiele für WBSO-Projekte sind die Entwicklung technisch neuartiger physische Produkte, Produktionsprozesse oder Software und technisch-wissenschaftliche Forschung. Entscheidend ist nicht, dass ein Projekt innovativ klingt, sondern dass Sie selbst technische Herausforderungen lösen oder ein ungeklärtes technisches Phänomen untersuchen — und dass das Ergebnis im Vorfeld technisch ungewiss ist.

VON PETER KLAREN · ZULETZT GEPRÜFT IM SEPTEMBER 2026 · QUELLE: WBSO-LEITFADEN 2026 (RVO)

WBSO-Beispiele auf einen Blick

ProjektWBSO möglich?Warum
Neue Maschine, bei der bestehende Konstruktionen die erforderliche Präzision nicht erreichenmöglicheigene technische Herausforderung
Eine bestehende Maschine lediglich vergrößernmeistens nichteine reine Skalierung reicht nicht aus
Einen biobasierten Kunststoff verarbeiten, bei dem Fließverhalten und Abbau unvorhersehbar werdenmöglichtechnisch neuartiger Prozess
Standardproduktionslinie installieren und einrichtenmeistens nichtbestehende Technik
Eigener Matching-Algorithmus aufgrund einer strikten Latenzgrenzemöglichprogrammiertechnische Herausforderung
Webshop- oder API-Schnittstelle entwickelnmeistens nichtAnwendung bestehender Technik
Ursache unerwarteter Korrosion erklärenmöglicherweise TWOerklärende technische Forschung
Die optimale Prozesseinstellung anhand von Versuchsreihen bestimmenmeistens nichtfeststellend/optimierend

WBSO-Beispiele: Produktentwicklung (6)

Entscheidend sind die technische Unsicherheit, die Eigenentwicklung des Unternehmens und die Abgrenzung zwischen regulärer Entwicklungsarbeit und dem Beginn von S&O.

Roboterarm mit höherer Positioniergenauigkeit

Situation: Ein Maschinenbauer muss einen Roboterarm bei höherer Geschwindigkeit mit einer Genauigkeit von ±0,05 mm positionieren.

Technische Herausforderung: Mechanisches Spiel und elastische Verformung führen zu Abweichungen; bestehende Lagerungs- und Dämpfungskonzepte reichen nicht aus.

Eigenentwicklung: Eigenes Konstruktions- und Kompensationsprinzip, iterativ entwickelt und getestet.

Warum möglicherweise WBSO: Eigener technischer Engpass + technisch neuartige Konstruktion + technische Unsicherheit.

Fällt nicht unter S&O: Standard-Roboterarm konfigurieren oder ein bestehendes Modell vergrößern.

Batteriesystem mit eigenem Thermomanagement

Situation: Ein Hersteller von Energiespeichern möchte dieselbe Energiedichte in einem kleineren Gehäuse erreichen.

Technische Herausforderung: Schnellladen verursacht Hotspots, deren Wärme bestehende Kühlplatten nicht ausreichend abführen.

Eigenentwicklung: Eigene Kombination aus Zellanordnung, Phasenwechselmaterial und adaptiver Regelung.

Warum möglicherweise WBSO: Neues thermisches Funktionsprinzip mit im Vorfeld ungewisser Leistung.

Fällt nicht unter S&O: Ein Gehäuse für Standardzellen konstruieren, ohne ein neues thermisches Prinzip zu entwickeln.

Sensor mit neuem Messprinzip

Situation: Misst Schwingungen in einer öligen Umgebung bei hoher Temperatur.

Technische Herausforderung: Bestehende Sensoren verlieren unter diesen Bedingungen an Signalzuverlässigkeit.

Eigenentwicklung: Eigenes Messprinzip auf Grundlage eines alternativen physikalischen Effekts, einschließlich Signalverarbeitung.

Warum möglicherweise WBSO: Technisch neuartiges Messprinzip + ungewisse Funktionsweise unter Prozessbedingungen.

Fällt nicht unter S&O: Einen bestehenden Sensor lediglich neu kalibrieren oder integrieren.

Medizinisches Implantat mit kontrollierter Wirkstofffreisetzung

Situation: Ein Medizintechnikunternehmen möchte einen Wirkstoff über einen Zeitraum von sechs Monaten schrittweise freisetzen.

Technische Herausforderung: Bestehende Trägermaterialien lösen sich zu schnell auf oder verursachen Dosierungsspitzen.

Eigenentwicklung: Eigene Matrix mit gesteuerter Degradationsrate, getestet in beschleunigten Alterungsversuchen.

Warum möglicherweise WBSO: Neues Materialprinzip + Unsicherheit hinsichtlich des Freisetzungsprofils.

Fällt nicht unter S&O: Standardformulierung ohne technisch neuartiges Trägerprinzip.

Elektrischer Antrieb mit höherer Leistungsdichte

Situation: Ein Hersteller muss bei gleichem Flanschbild 40 % mehr Drehmoment erzielen.

Technische Herausforderung: Die bestehende Rotortopologie erreicht die Zielvorgabe innerhalb des thermischen Budgets nicht.

Eigenentwicklung: Eigene elektromagnetische Topologie und Kühlstruktur.

Warum möglicherweise WBSO: Technisch neuartiges Funktionsprinzip + Unsicherheit hinsichtlich des Wärmehaushalts.

Fällt nicht unter S&O: Einen bestehenden Motor lediglich mit Standardmaterialien und Standardkomponenten in der Leistung verbessern.

Zirkulärer Verbundwerkstoff mit Naturfaserverstärkung

Situation: Ein Hersteller möchte Glasfasern teilweise durch Naturfasern ersetzen, ohne dass die Festigkeit abnimmt.

Technische Herausforderung: Naturfasern weisen eine schwankende Haftung und Feuchtigkeitsempfindlichkeit auf.

Eigenentwicklung: Eigene Faserbehandlung und eigener Laminataufbau, validiert durch zerstörende Prüfungen.

Warum möglicherweise WBSO: Neues Materialkonzept mit ungewissen mechanischen Eigenschaften.

Fällt nicht unter S&O: Einen bestehenden Verbundwerkstoff lediglich mit einer bewährten Rezeptur anders laminieren.

Abgrenzung des Prototyps: Ein experimenteller Prototyp, mit dem ausschließlich das Funktionsprinzip nachgewiesen wird, kann Teil der S&O-Tätigkeiten sein. Ein marktfähiger Prototyp oder eine endgültige Maschine mit praktischem Nutzwert fällt nicht automatisch darunter.

→ WBSO Produktentwicklung · ausführliches Maschinenbau-Fallbeispiel ansehen

WBSO-Beispiele: Prozessentwicklung (6)

Extrusion von biobasiertem Kunststoff

Situation: Ein Verarbeiter möchte den Durchsatz eines biobasierten Compounds erhöhen.

Technische Herausforderung: Bei einer Erhöhung verändert sich die Schmelzviskosität unerwartet und die Schichtdicke wird instabil; konventionelle Einstellungen sind nicht verwendbar.

Eigenentwicklung: Eigene Kombination aus Schneckengeometrie, Temperaturzonierung und Prozessregelung, validiert durch Versuchsläufe.

Warum möglicherweise WBSO: Technisch neuartiges Prozessprinzip + experimentelle Validierung.

Fällt nicht unter S&O: Lediglich die optimalen Einstellungen mit der bestehenden Schneckenkonfiguration ermitteln.

VOC-arme Beschichtung bei höherer Liniengeschwindigkeit

Situation: Ein Beschichtungsunternehmen muss den Lösungsmittelgehalt senken, ohne die Liniengeschwindigkeit zu reduzieren.

Technische Herausforderung: Der Austausch des Lösungsmittels verändert die Viskosität und Filmbildung so stark, dass das bestehende Auftragsprinzip versagt.

Eigenentwicklung: Eigener Applikations- und Trocknungsprozess einschließlich angepasster Formulierung.

Warum möglicherweise WBSO: Neues Prozessdesign + Unsicherheit hinsichtlich der Folienqualität bei höherer Geschwindigkeit.

Fällt nicht unter S&O: Lediglich die Trocknungstemperatur optimieren.

Wärmebehandlung unter Wasserstoffatmosphäre

Situation: Ein Stahlverarbeiter muss eine neue Stahlsorte vor Entkohlung schützen.

Technische Herausforderung: Bestehende Atmosphären führen bei der neuen Zusammensetzung zu Kohlenstoffverlusten im Randbereich.

Eigenentwicklung: Eigene Atmosphärenregelung und eigenes Temperaturprofil, an Probekörpern getestet.

Warum möglicherweise WBSO: Neues Prozessfenster + technische Unsicherheit hinsichtlich der Materialeigenschaften.

Fällt nicht unter S&O: Standardmäßige Temperatur-Zeit-Kurve auf bestehenden Stahl anwenden.

Chemischer Prozess mit kontinuierlichem Verfahrensweg

Situation: Ein Chemieunternehmen möchte einen Batchprozess in einen kontinuierlichen Verfahrensweg umwandeln.

Technische Herausforderung: Unterschiede bei Verweilzeit und Wärmeübertragung machen das Verhalten unvorhersehbar; die Skalierungsgesetze des Batchverfahrens gelten nicht.

Eigenentwicklung: Eigene Reaktorgeometrie und Regelung, experimentell im Pilotmaßstab validiert.

Warum möglicherweise WBSO: Technisch neuartiger Prozessweg + Unsicherheit bei der Skalierung.

Fällt nicht unter S&O: Lediglich eine größere Charge produzieren.

Reststoffstrom zu neuem Baustoff verarbeiten

Situation: Ein auf Kreislaufwirtschaft ausgerichtetes Unternehmen verarbeitet einen industriellen Reststoffstrom zu Bauplattenmaterial.

Technische Herausforderung: Die wechselnde Zusammensetzung des Reststoffstroms macht Bindung und Festigkeit unvorhersehbar.

Eigenentwicklung: Eigene Bindemittelreaktion und eigene Prozessroute für variierende Eingangsmaterialien.

Warum möglicherweise WBSO: Neues Verfahren für eine unbekannte Zusammensetzung + mechanische Unsicherheit.

Fällt nicht unter S&O: Eine bewährte Rezeptur lediglich skalieren.

Engere Toleranzen beim schleiffreien Drehen

Situation: Ein Zulieferer muss die Toleranz eines Drehteils um den Faktor zwei reduzieren.

Technische Herausforderung: Temperaturdrift und Klemmspannung verursachen Abweichungen außerhalb der neuen Toleranz.

Eigenentwicklung: Eigenes Spannsystem und eigene Kompensationsstrategie, anhand von Messreihen getestet.

Warum möglicherweise WBSO: Neue Prozessregelung + messbare Unsicherheit.

Fällt nicht unter S&O: Bestehende Spannmittel lediglich präziser einstellen.

→ WBSO Prozessentwicklung · Fallbeispiel zur biobasierten Extrusion ansehen

WBSO-Beispiele: Software und Programmierung (8)

Matching-Plattform mit Latenzgrenze

Situation: Ein SaaS-Unternehmen muss 250.000 Kandidaten in Echtzeit vergleichen.

Programmiertechnisches Problem: Bestehende Datenstrukturen erreichen die erforderliche Latenz innerhalb des verfügbaren Speicherbudgets nicht.

Eigenentwicklung: Neue Partitionierungs- und Bewertungsmethode, umgesetzt in eigener Software.

Warum möglicherweise WBSO: Technisch neuartiges informationstechnologisches Funktionsprinzip + technische Unsicherheit.

Fällt nicht unter S&O: Benutzeroberfläche, standardmäßige API-Anbindungen und Cloud-Konfiguration.

KI-Inferenz auf Edge-Hardware

Situation: Ein Bildverarbeitungsmodell muss auf der verfügbaren Edge-Hardware eine ausreichende Bildrate erreichen.

Programmiertechnisches Problem: Das bestehende Modell überschreitet die Vorgaben für Speicher- und Energieverbrauch; Standard-Laufzeitumgebungen bieten keine Lösung.

Eigenentwicklung: Eigene Software für Verarbeitung, Ablaufplanung und Modellausgabe.

Warum möglicherweise WBSO: Das technische Problem liegt in der eigenen Software, nicht in der Anwendung des Modells.

Fällt nicht unter S&O: Ein bestehendes KI-Modell über eine API integrieren.

Verteilte Datenplattform für Sensordatenströme

Situation: Millionen von Sensoren liefern kontinuierlich Telemetriedaten, die in Echtzeit analysiert werden müssen.

Programmiertechnisches Problem: Bestehende Message-Broker und Datenbanken erreichen die erforderliche Kombination aus Durchsatz und Konsistenz nicht.

Eigenentwicklung: Eigene Verteilungs- und Konsistenzschicht mit einer neuen Verarbeitungspipeline.

Warum möglicherweise WBSO: Neues informationstechnologisches Funktionsprinzip + Skalierungsunsicherheit.

Fällt nicht unter S&O: Eine bestehende Plattform lediglich horizontal skalieren.

Eingebetteter Regelalgorithmus für ein autonomes Fahrzeug

Situation: Ein Aggregat soll mit begrenzter Rechenleistung autonom navigieren.

Programmiertechnisches Problem: Bestehende Planungsalgorithmen sind für die Embedded-Zielplattform zu langsam oder zu umfangreich.

Eigenentwicklung: Eigener reduzierter Algorithmus mit einer neuen Speicher- und Timingarchitektur.

Warum möglicherweise WBSO: Programmiertechnischer Engpass + ungewisse Realisierbarkeit auf der Zielplattform.

Fällt nicht unter S&O: Standard-Navigationssoftware lediglich parametrisieren.

Eigenes Datenbankschema für Zeitreihen

Situation: Eine industrielle Plattform muss hochfrequente Messdaten sekundengenau speichern und unmittelbar abfragen können.

Programmiertechnisches Problem: Generische Datenbanken verlieren bei dieser Kombination aus Schreib- und Lesevorgängen an Leistung.

Eigenentwicklung: Eigene Speicher- und Indexierungsstruktur für Zeitreihen.

Warum möglicherweise WBSO: Neue Datenstruktur mit ungewisser Leistung unter Produktionslast.

Fällt nicht unter S&O: Eine bestehende Zeitreihendatenbank installieren und konfigurieren.

Sicherheitsarchitektur mit Zero-Knowledge-Verifizierung

Situation: Eine Fintech-Plattform muss Transaktionen verifizieren, ohne vertrauliche Daten weiterzugeben.

Programmiertechnisches Problem: Bestehende Protokolle erfüllen die Anforderungen an Geschwindigkeit und Beweisgröße nicht gleichzeitig.

Eigenentwicklung: Eigenes Verifikationsprotokoll und eigene kryptografische Implementierung.

Warum möglicherweise WBSO: Technisch neuartiges Funktionsprinzip in der Software + ungewisse Leistungsfähigkeit.

Fällt nicht unter S&O: Standard-TLS und bestehende Bibliotheken einsetzen.

Modellkomprimierung für Echtzeitprognosen

Situation: Ein Vorhersagemodell muss in einer Produktionsumgebung innerhalb von Millisekunden Ergebnisse liefern.

Programmiertechnisches Problem: Vollständige Modelle sind zu langsam; bestehende Komprimierungstechniken führen zu einem zu hohen Genauigkeitsverlust.

Eigenentwicklung: Eigene Kompressions- und Quantisierungsmethode unter Beibehaltung der Genauigkeit.

Warum möglicherweise WBSO: Programmiertechnischer Engpass + ungewisser Zielkonflikt bei der Genauigkeit.

Fällt nicht unter S&O: Ein kleineres Standardmodell aus einem Katalog auswählen.

Skalierbare Rendering-Engine für Konfiguratoren

Situation: Ein 3D-Konfigurator soll auf durchschnittlicher Hardware fotorealistische Vorschauen im Browser rendern.

Programmiertechnisches Problem: Bestehende Engines erreichen die erforderliche Kombination aus Qualität und Bildrate nicht ohne ressourcenintensive Plug-ins.

Eigenentwicklung: Eigene Rendering-Pipeline mit einer neuen Level-of-Detail-Strategie.

Warum möglicherweise WBSO: Neues informationstechnologisches Funktionsprinzip + Leistungsunsicherheit.

Fällt nicht unter S&O: Eine bestehende Engine lediglich über ihre Einstellungen abstimmen.

Formale Programmiersprache: Die technisch neuartige Lösung wird tatsächlich als Software in einer formalen Programmiersprache umgesetzt. Es bleibt nicht bei einem Algorithmus, einer Architektur oder einem funktionalen Entwurf.

→ WBSO-Software und -Programmierung · ausführliches Matching-Fallbeispiel ansehen

WBSO-Beispiele: technisch-wissenschaftliche Forschung (6)

Bei TWO geht es nicht um die Lösung einer technischen Herausforderung, sondern um das Erklärung eines ungeklärten technischen Phänomens, gemäß einem zum Zeitpunkt der Antragstellung hinreichend konkreten, systematischen und planmäßigen Forschungsansatz.

Unerwartete Delamination unter zyklischer Belastung

Situation: Ein Laminathersteller stellt Delaminationen bei Schichten fest, die den Berechnungen zufolge sicher sind.

Unerklärtes technisches Phänomen: Die vorhandene Fachliteratur und das interne Wissen liefern keine Erklärung für den Mechanismus.

Forschungsansatz: Systematische Versuche mit variierender Belastung, Temperatur und unterschiedlichen Materialchargen, um den zugrunde liegenden Mechanismus zu erklären.

Warum möglicherweise TWO: Erklärende technische Forschung mit dem Ziel, neue technische Erkenntnisse zu gewinnen.

Fällt nicht unter S&O: Ermitteln, bei welcher Einstellung die geringste Delaminierung auftritt (Optimierung).

Schnelle Korrosion unter spezifischen Prozessbedingungen

Situation: Eine Anlage korrodiert schneller, als es das Materialzertifikat erwarten lässt.

Unerklärtes technisches Phänomen: Die Ursache der beschleunigten Korrosion unter diesen Bedingungen ist unbekannt.

Forschungsansatz: Untersuchung des chemischen Mechanismus anhand kontrollierter Expositionsexperimente.

Warum möglicherweise TWO: Erklärende Untersuchung des Mechanismus, nicht der optimalen Einstellung.

Fällt nicht unter S&O: Ein Versuchsplan, mit dem lediglich die am wenigsten korrosiven Bedingungen ermittelt werden.

Instabile Kristallisation in einem Beschichtungsprozess

Situation: Ein Beschichtungshersteller beobachtet bei scheinbar identischen Chargen unterschiedliche Kristallformen.

Unerklärtes technisches Phänomen: Warum eine Charge eine andere Morphologie aufweist, ist ungeklärt.

Forschungsansatz: Mikroskopische und kalorimetrische Untersuchung der Keimbildung und des Wachstumsmechanismus.

Warum möglicherweise TWO: Neue erklärende Erkenntnisse zum Kristallisationsmechanismus.

Fällt nicht unter S&O: Bei welcher Temperatur die gewünschte Form am häufigsten auftritt (rein feststellend).

Vorzeitiges Versagen von Schweißverbindungen

Situation: Schweißverbindungen versagen früher, als aufgrund der Prüfungen zu erwarten wäre.

Unerklärtes technisches Phänomen: Der Ausfallmechanismus lässt sich mit den vorhandenen Erkenntnissen nicht erklären.

Forschungsansatz: Metallografische und fraktografische Untersuchung des Versagensmechanismus unter variierenden Bedingungen.

Warum möglicherweise TWO: Erklärende Untersuchung des Mechanismus.

Fällt nicht unter S&O: Lediglich das Schweißprotokoll anpassen, bis das Versagen nicht mehr auftritt (verfahrenstechnisch).

Abweichende Fermentationskinetik in einem biotechnologischen Prozess

Situation: Ein biotechnologischer Prozess zeigt bei einer bestimmten Substratkombination eine unerwartete Verzögerung.

Unerklärtes technisches Phänomen: Die biologische Ursache der verzögerten Kinetik ist unbekannt.

Forschungsansatz: Kontrollierte Fermentationsexperimente und Analyse von Metaboliten zur Erklärung des Mechanismus.

Warum möglicherweise TWO: Erklärende biologisch-technische Forschung.

Fällt nicht unter S&O: Nährmedium optimieren, bis die Geschwindigkeit akzeptabel ist.

Wärmeabgabe eines Leistungsmoduls bei pulsierender Belastung

Situation: Ein Energiemodul weist eine thermische Degradation auf, die von den Modellen nicht vorhergesagt wird.

Unerklärtes technisches Phänomen: Die zusätzliche Wärmeentwicklung unter pulsierender Belastung ist ungeklärt.

Forschungsansatz: Thermische und elektrische Charakterisierungsuntersuchung des zugrunde liegenden physikalischen Effekts.

Warum möglicherweise TWO: Neue physikalisch-technische Erklärung.

Fällt nicht unter S&O: Bei welchem Tastverhältnis die Temperatur niedrig bleibt (rein feststellend).

→ WBSO technisch-wissenschaftliche Forschung · Fallbeispiel zur Kristallisation ansehen

Beispiele nach Branche

WBSO wird nicht von der Branche bestimmt. Diese Branchen kommen in der Praxis häufig vor:

BrancheTypisches WBSO-Beispiel
MaschinenbauNeues Funktionsprinzip zum Positionieren, Antreiben oder Bearbeiten
EnergietechnikWärmemanagement, Leistungselektronik oder Speichersysteme mit neuer Topologie
ElektronikNeues Messprinzip oder Embedded-Design mit strengen Timing- oder Energieanforderungen
MedizintechnikMaterial- oder Freisetzungsprinzip für Implantate und Einwegprodukte
BiotechnologieNeue Bioprozesse oder erklärende Forschung zu biologischen Mechanismen
ChemieNeue Prozesswege, Katalysatoren oder kontinuierliche Prozesse
LebensmittelNeue Konservierungs- oder Texturprinzipien, erklärende Strukturforschung
Zirkuläre MaterialienReststoffströme zu neuen Materialien mit ungewissen Eigenschaften verarbeiten
SaaS / SoftwareEigene Algorithmen, Datenstrukturen und Infrastruktur mit Leistungsengpässen
KIEigene Inferenz- oder Kompressionstechnik in der Software (nicht nur die Anwendung eines Modells)
Eingebettete SystemeEigene Regelalgorithmen innerhalb strikter Speicher- und Zeitbudgets
RobotikNeue Steuerungs- oder Kompensationsprinzipien für höhere Präzision

Beispiele, die gerade nicht unter die WBSO fallen

ProjektWarum keine WBSO
Eine bestehende Maschine auf eine größere Ausführung skalierenSkalierung ohne neues technisches Prinzip
Standardproduktionslinie installieren und justierenAnwendung bestehender Technik
Webshop oder API-Schnittstelle entwickelnFunktionale Anwendung, kein technisch neuartiges Funktionsprinzip
Marktforschung zu ProduktideenKeine technische Entwicklungsarbeit
Bestehende KI-Modelle über eine API einsetzenAnwendung verfügbarer Technologie
Prozesseinstellungen anhand von Versuchsreihen optimierenFeststellend/optimierend, kein technisch neuartiger Prozess
Wartungsplanung verbessernOrganisatorischer Art, kein S&O
Ein bestehendes Produkt neu gestalten oder überarbeitenDesign, kein technisch neuartiges Funktionsprinzip

Ausführliche WBSO-Fallbeispiele

Die oben aufgeführten Beispiele dienen der Orientierung: kurz und repräsentativ. Möchten Sie sehen, wie ein vollständiges WBSO-Fallbeispiel aussieht — vom Antrag bis zur Dokumentation —, finden Sie dieses auf der Fallbeispielseite.

Häufig gestellte Fragen zu WBSO-Beispielen

Welche Projekte kommen für die WBSO in Betracht?
Technisch neuartige physische Produkte, Produktionsprozesse oder Software sowie technisch-wissenschaftliche Forschung. Entscheidend sind die eigenen technischen Herausforderungen, die eigene Lösung und die technische Unsicherheit.
Muss mein Produkt neu auf dem Markt sein?
Nein. Entscheidend ist, dass die Entwicklung für Ihr eigenes Unternehmen technisch neu ist und technische Engpässe und Unsicherheiten bestehen.
Fällt eine neue App automatisch unter die WBSO?
Nein. Funktional neue Software ist nicht automatisch technisch neuartige Software. Es müssen ein programmiertechnischer Engpass und ein neues softwaretechnisches Funktionsprinzip vorliegen.
Fällt ein Prototyp unter die WBSO?
Möglicherweise. Ein experimenteller Prototyp ohne Nutzwert kann Bestandteil der S&O-Tätigkeiten sein. Prototypen, die erhältlich sind oder als Betriebsmittel dienen, sind davon ausgeschlossen.
Fällt Prozessoptimierung unter die WBSO?
Nicht automatisch. Das bloße Testen von Einstellungen und die Suche nach dem besten Prozessfenster gelten nicht als S&O. Es muss ein technisch neuartiges Prozessprinzip mit eigenen Engpässen vorliegen.
Fällt KI unter die WBSO?
Der Einsatz von KI allein reicht nicht aus. Eigene technisch neuartige Software — beispielsweise eigene Inferenz- oder Kompressionstechniken — kann möglicherweise die Voraussetzungen erfüllen. Für 2027 wurde eine mögliche Erweiterung angekündigt, die jedoch noch nicht endgültig beschlossen ist.
Fällt wissenschaftliche Forschung immer unter die WBSO?
Nein. Technisch-wissenschaftliche Forschung muss sowohl technisch als auch erklärend sein. Rein feststellende oder optimierende Forschung ist nicht förderfähig.

Ist Ihr Projekt nicht unter den Beispielen aufgeführt?

Kein WBSO-Projekt gleicht exakt dem anderen. Wir prüfen, ob Ihr technischer Engpass, Ihr eigener Lösungsansatz oder Ihre Forschungsfrage für die WBSO infrage kommt.

QUELLEN UND INHALTLICHE PRÜFUNG

RVO — WBSO-Leitfaden 2026

Geprüft von Peter Klaren, WBSO-Spezialist seit 2004. Zuletzt inhaltlich aktualisiert: 21. September 2026.